Angehende Tischler zu Besuch beim Bundespräsidenten 2006
Lebenswelten war das Thema des diesjährigen Schulwettbewerbs „alle für eine Welt für alle“ unter der
Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler. Schülerinnen Schüler und Lehrer waren aufgefordert, sich mit der Frage zu beschäftigen: Was spielen Kinder in Asien? Wie singen sie in Südamerika? Wie kochen musizieren und arbeiten sie in Afrika? Von Bundespräsident Köhlers Vorgänger Johannes Rau eingeführt, fand dieser Wettbewerb nun zum zweiten Mal statt. Die Beteiligung war riesig. Mehr als 20.000 Schüler und Schülerinnen mit insgesamt über 540 Projekten nahmen an dem Wettbewerb teil. Aus ganz Deutschland gab es Wettbewerbsbeiträge unterschiedlichster Art, von Spielen und Büchern bis hin zu Theaterstücken und Internetseiten.
Mit dabei auch eine große Holzmappe mit schöner aufwendiger Intarsienarbeit auf dem Deckblatt - der ganze Stolz der Tischlerlehrlinge, die an der Gewerbeschule G6 in Hamburg den theoretischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren. Worum es bei diesem Beitrag geht, wird auf den ersten Blick klar: Mosambik prangt in großen hellen Lettern auf der Front, darunter zwei Hände - eine weiß, eine schwarz - die sich einander entgegenstrecken. In der Mappe sind viele Fotos aber auch viel Text. Hier wird gezeigt und beschrieben, wie die Schüler sich in vielen Fächern mit dem Thema Mosambik beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem gemeinsamen Handwerk. Es werden Fragen gestellt wie: Wie arbeiten Jugendliche in Mosambik? Wie sieht das Leben in Mosambik aus? Was gehört zu der Grundausstattung eines Tischlers in Deutschland und in Mosambik? Wie können wir diese entwickeln und produzieren? Die Antworten finden die Klassen im Internet, durch Videos und vor allem durch Gespräche miteinander und mit ihrem Klassenlehrer Rainer Maehl, der schon oft Mosambik bereist hat. Die Fotos zeigen Schüler im Praxisunterricht, die einen Hobel so bauen, dass er auch in Mosambik mit den dortigen Mitteln hergestellt werden kann. So lernen Schüler in Hamburg Produkte zu entwickeln und zu produzieren, die in Mosambik einem Jugendlichen den Einstieg in das Berufsleben als Tischler ermöglichen können. Um mehr über das afrikanische Land zu lernen und Projekte mit Mosambikanischen Jugendlichen durchzuführen fährt eine Gruppe Schüler im Juli nach Mosambik.
Bei soviel Engagement war die Freude natürlich groß als die Mappe von der Jury unter die besten zwölf Beiträge gewählt wurde und wir als angehende Tischler zur Endausscheidung nach Berlin eingeladen wurden. Voller Vorfreude und bei strahlendem Sonnenschein ging es also am Montag den 08.05.06 in die Hauptstadt. Untergebracht waren wir sehr zentral direkt am Oranienburger Tor. So wurde der Montagabend auch direkt zur Erkundung der Metropole genutzt, was dazu führte, dass einige noch etwas verschlafen dreinschauten, als am nächsten Morgen die Busse zum Abholen kamen. Jegliche Müdigkeit verflog aber spätestens bei der Sicherheitskontrolle vor den Schloss Bellevue. Nachdem diese geschafft und Saal um Saal des beeindruckenden Schlosses durchwandert waren, versammelten sich alle aufgeregten Gewinner im Festsaal. Hier waren wir Auszubildenden, als die einzigen Vertreter einer Berufsschule, die ältesten Teilnehmer. Die beiden Moderatoren Shary Reeves und Ralph Caspers ( Wissen macht Ah), die nun die Bühne betraten, kamen trotzdem gut an. Humorvoll sorgten sie dafür, dass der gesamte Festsaal sich erhob, um den Bundespräsidenten, seine Frau und die Entwicklungsministerin Frau Wieczorek-Zeul zu begrüßen.
Wir staunten nicht schlecht, als Bundespräsident Köhler in seiner Begrüßungsrede ausführlich auf das Tischlerprojekt in Mosambik hinwies und erwähnte, dass ihn die große Holzmappe schwer beeindruckt hätte, um dann von seinen eigenen Erfahrungen in diesem Land zu berichten, das er erst vor kurzem besucht hat.
Als dann auch noch Frau Wieczorek-Zeul den Austausch zwischen Tischerlehrlingen in Mosambik und Deutschland ansprach, war uns allen klar, dass die Arbeit sich gelohnt hatte, auch wenn wir an diesem Tag ohne einen der Geldpreise nach Hause gingen. Das I-Tüpfelchen der Reise folgte bei der anschließenden Präsentation der Beiträge an eigens dafür vorbereiteten Ständen. Wir bekamen die Möglichkeit, dem Bundespräsidenten und der Entwicklungsministerin unser Projekt in einem
intensiven Gespräch vorzustellen. Herr Köhler freute sich vor allem darüber, dass die Schüler Mosambik bereisen würden und so wertvolle Erfahrungen mit zurück nach Deutschland bringen können. Frau Wieczorek- Zeul zeigte in diesem Gespräch ihre Anerkennung des Engagements der Jugendlichen und sagte mögliche Unterstützung durch das BMZ für weitere Aktionen zu. Glücklich konnte wir nun das reichhaltige Buffet und die anschließende Bootsfahrt über die Spree gemeinsam mit allen anderen Gewinnern genießen.
Am Mittwoch ging es zurück nach Hamburg, wo wir uns nun alle mit frischer Motivation
neuen Aktionen und der Vorbereitung auf unsere Reise in dieses spannende Land Afrikas widmen werden.
Christine Herdemerten, im Namen aller Beteiligten
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